Ausgekegelt

Der Melzer Verlag stellte in Berlin einen Sammelband vor, der dem Kriegsgegner Albert Einstein gewidmet ist

Präsentiert werden sollte ein Buch, vorgestellt wurde ein Programm – der Name Einstein ist ein Synonym für Unversöhnlichkeit mit Militarismus und Kriegszügen, speziell deutschen. Reiner Braun hat zusammen mit David Krieger den Smmelband »Albert Einstein – Frieden heute. Visionen und Ideen« herausgegeben, mit Beiträgen von Politikern und Wissenschaftlern, darunter zahlreichen Nobelpreisträgern. Braun schreibt einleitend: »Sein Leben lang blieb Einstein seinen Prinzipien treu: als Jugendlicher, der alles tat, den verhaßten Militärdienst zu verweigern, als – gerade wenige Monate an der Preußischen Akademie der Wissenschaften tätiger – junger Mann, der durch die Unterzeichnung des ›Aufrufes an die Europäer‹ den Ersten Weltkrieg verurteilte und besonders den preußischen Militarismus angriff (...) Einstein engagierte sich weltweit für die Kriegsdienstverweigerer, war ein unermüdlicher Warner und stritt für atomare Abrüstung.« Braun zitiert aus dem im Band abgedruckten »Russell-Einstein-Manifest« von 1955: »Im Hinblick darauf, daß in einem zukünftigen Krieg ohne jeden Zweifel Kernwaffen angewandt würden und daß diese Waffen den Fortbestand der Menschheit gefährden, ersuchen wir nachdrücklich die Regierungen der Welt, zu erkennen und öffentlich zu bekennen, daß sie ihre Ziele nicht durch einen Weltkrieg erreichen können, und wir ersuchen sie dringlichst darum, friedliche Mittel der Lösung für alle zwischen ihnen bestehenden Konflikte ausfindig zu machen.«

Die Sätze sind hochaktuell: Die nukleare Planungsgruppe der NATO beschloß vor wenigen Tagen, weiterhin Nuklearwaffen in Deutschland bereitzuhalten. Bei der Buchvorstellung am Mittwoch im Berliner Kronprizessinnen-palais, dem Ort der Einstein-Ausstellung, wies Willy Wimmer, ehemals Staatssekretär im Bundesverteidigungs-ministerium und CDU-Bundestagsabgeordneter, auf den gefährlichen Hintergrund solcher Entscheidungen hin. Im Kalten Krieg sei ein System von »Diplomatie und militärischem Rückgrat« erarbeitet worden, das vor einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Ost und West bewahrt habe. Der Entspannungsansatz habe zu Beginn der »unglückseligen 90er Jahre« noch existiert, China sei Mitte des Jahrzehnts bereit gewesen, auf Abrüstung und ein allgemeines Sicherheitssystem einzugehen. Der Jugoslawien-Krieg habe aber eine neue Situation geschaffen: »Wir kriegen eine neue Ordnung ausgekegelt.« Systematisch sei das Scheitern des vorhandenen friedenspolitischen Ansatzes herbeigeführt worden. Wimmer konstatierte: »Wir brauchen Mut, um zu Einstein zu stehen.«

In einem auf der Veranstaltung verlesenen Text von Verleger Abraham Melzer, der wegen Krankheit nicht teilnehmen konnte, hob dieser hervor, daß Einstein auch zum Nahostkonflikt eine Position vertreten habe, die erst wieder erreicht werden müsse. Einstein habe »lange vor Gründung des Staates Israel und vor dem offenen Ausbruch von Feindseligkeiten zwischen Juden und Arabern« betont, »friedliche Zusammenarbeit zwischen beiden Völkern sei die Voraussetzung einer gesunden Entwicklung des jüdischen Heims in Palästina«.

Engagement von Wissenschaftlern und Wissenschaft für Frieden, Abschaffung der Atomwaffen und Lösung des Palästinakonflikts sind nach den Worten des Herausgebers entscheidende Aspekte der Beiträge des Bandes – eine höchst notwendige Erinnerung an politische Vernunft.

Arnold Schölzel

* Reiner Braun/David Krieger: Albert Einstein – Frieden heute. Visionen und Ideen. Melzer Verlag, Neu Isenburg 2005, 333 Seiten, 19,95 Euro

junge Welt vom 17.6.2005

siehe auch: Verlagstext und Inhaltsverzeichnis

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